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08 January 2008

[ wdr.de ]
German TV 2003


Latif Yahia: "Ich bin gegen einen Krieg"

Doppelgänger von Saddam Husseins Sohn sprach mit Biolek

Von Schiwa Schlei

Er sieht sich als Opfer von Saddam Husseins Regime: Als Doppelgänger und Leibwächter von Saddams Sohn Udai sei er gefoltert worden. Nach seiner Flucht in den Westen habe es mehrere Attentatsversuche gegeben. Trotzdem: Latif Yahia ist klar gegen einen Irak-Krieg.

Latif Yahia; Rechte: WDR
Opfer von Attentatsversuchen: Exil-Iraker Latif Yahia

"Ich bin gegen Saddam Hussein. Aber ich bin auch gegen einen Krieg." Latif Yahia klingt bestimmt. Und gerade das überrascht Alfred Biolek und seine Zuschauer. Schließlich hatte der Exil-Iraker zuvor knapp eine Stunde lang detailliert über seine negativen Erfahrungen als so genannter "Fidai" von Udai Hussein berichtet.

"Fidai" ist arabisch und steht für eine Mischung aus Doppelgänger, Leibeigener und Leibwächter. Genau das stellte Latif Yahia nach eigenen Angaben vier Jahre lang - von 1987 bis 1991 - für Saddam Husseins Sohn Udai dar. "Schon in der Schule sagte man mir nach, ich würde Udai sehr ähnlich sehen. Als ich dann nach dem Studium beim Militär war, bekam ich eines Tages einen Brief, ich solle sofort im Präsidentenpalast vorsprechen. Mir blieb keine andere Wahl, als künftig als "Fidai" von Udai Hussein zu arbeiten. Ich lernte, mich genau so zu bewegen, zu gestikulieren, zu sprechen." Udais Friseur verpasste ihm den passenden Haarschnitt, und Chirurgen sorgten dafür, dass sein Gebiss - das einzige Merkmal, das nicht mit dem Original perfekt übereinstimmte - durch eine Operation angepasst wurde.

"Ich hasse Udai Hussein"

Latif Yahia berichtet von offiziellen Terminen, bei denen er Opfer von Attentatsversuchen wurde, die Udai Hussein galten. Später, nach seiner Flucht in den Westen, waren die Attentatsversuche gegen seine eigene Person gerichtet. Sehr detailliert beschreibt Latif Yahia, wie er unter der absoluten Willkür und den Launen von Udai Hussein gelitten habe. Er charakterisiert ihn als ausgesprochen eigenwilligen, verwöhnten Exzentriker, als Playboy und Autonarr. Von diesem luxuriösen Leben, gibt Latif Yahia zu, hat auch er zeitweise profitiert - er lebte im Palast, hatte einen eigenen Koch und Dienstangestellte, fuhr Udais Autos. Doch letztlich entschied er sich für den einzigen Ausweg, der Flucht in den Westen. Auf Udai Hussein angesprochen, gibt es für ihn nur ein Fazit: "Ich hasse ihn." Sein Gesicht spricht dabei Bände.

Autobiographie fasst Erlebnisse zusammen

Latif Jahias Autobiographie; Rechte: WDR

Beweise gibt es für Latif Yahias Ausführungen nicht. Und die Frage nach seiner Glaubwürdigkeit bleibt. Nichtsdestotrotz sind Yahias Berichte über seine vermeintliche Zeit als "Fidai" unglaublich spannend, wenn auch fremd. Sie beeindrucken durch die Liebe für das Detail. Man erfährt sehr viel über die Strukturen, die Willkür von Saddam Hussein und seiner Familie, von Gewalt, Folter und vom Reichtum, der im krassen Gegensatz zur Armut innerhalb der irakischen Bevölkerung steht. Nachlesen kann man all das in Latif Yahias Autobiographie "Ich war Saddams Sohn", die er zusammen mit Karl Wendl veröffentlicht hat.

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